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Geschichte der Zeitumstellung in der Schweiz

Die Einführung der Sommerzeit war in der Schweiz eine unpopuläre Maßnahme, die immer wieder hinausgezögert wurde – mit kuriosen Folgen.

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Der Zeitglockenturm in Solothurn

©bigstockphoto.com/Marekusz

Die aktuelle Sommerzeitperiode in der Schweiz begann am 29. März 2020. Sie endet am 25. Oktober 2020.

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Zaghafte Anfänge

Während in Deutschland und Österreich bereits während des Ersten Weltkrieges die Sommerzeit galt, wurde in der Schweiz in den Jahren 1941 und 1942 erstmals mit der Zeitumstellung experimentiert. Die Idee konnte jedoch nicht Fuß fassen: Bis 1981 gab es in der Schweiz keine Zeitumstellung.

1980: Zeitinsel Schweiz und Liechtenstein

Bereits 1977 hatten viele europäische Länder die Zeitumstellung als energiepolitische Reaktion auf die Ölkrise von 1973 wieder eingeführt. Auch in der Schweiz wurde 1977 ein Gesetz zur Einführung der Sommerzeit verabschiedet – es fehlte jedoch an Unterstützung vonseiten der Bevölkerung. In einem Referendum am 28. Mai 1978 sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen die Wiedereinführung aus.

Diese Haltung sorgte für kuriose Zustände in Mitteleuropa: Im Sommer 1980 war es in der Schweiz und in Liechtenstein eine Stunde früher als in den Nachbarländern, die Alpenländer bildeten eine “MEZ-Zeitinsel”. Dieser Zustand währte allerdings nur bis 1981: In diesem Jahr trat das Gesetz zur Einführung der Sommerzeit im zweiten Anlauf in Kraft.

“Unnatürliche” Sommerzeit

Die Gegner der Zeitumstellung begründeten ihren Protest in erster Linie mit der geographischen Lage der Schweiz. Die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ), so ihr Hauptargument, passe nicht zum Sonnenlauf auf diesem Längengrad – die Sommerzeit sei für die Schweiz schlichtweg “unnatürlich”.

Tatsächlich liegt die Schweiz ein gutes Stück westlich des 15. Längengrades Ost, an dessen mittlerer Sonnenzeit sich die Normalzeit in der Schweiz, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), orientiert. Dies bedeutet, dass die Sonne jeden Tag einige Minuten nach 12 Uhr ihren höchsten Stand erreicht (wahrer Mittag).

Werden die Uhren um eine Stunde auf MESZ vorgestellt, gilt in der Schweiz die mittlere Sonnenzeit beim 30. Längengrad Ost, der noch weiter im Osten liegt und zum Beispiel die Ukraine kreuzt. Bei Sommerzeit erreicht die Sonne also erst nach 13 Uhr den Höchststand. Das Argument der Sommerzeit-Kritiker von 1978 ist also tatsächlich plausibel.

Sommerzeit heute

Seit 1996 gilt für die Schweiz und alle Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes (außer Island) eine einheitliche Regelung zur Zeitumstellung. Die Uhren werden jedes Jahr am letzten Sonntag im März um 02.00 Uhr eine Stunde vorgestellt und am letzten Sonntag im Oktober um 03.00 Uhr eine Stunde zurückgestellt (Ortszeit Schweiz).

Wussten Sie schon...

Beim Thema Zeitumstellung ist oft von der Winterzeit die Rede. Die offizielle Bezeichnung lautet jedoch Normalzeit – die Sommerzeit ist sozusagen eine Abweichung von der eigentlich geltenden Zeit in einer Zeitzone.

Themen: Europa, Geschichte, Schweiz, Sommerzeit, Zeitumstellung