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Mondtäuschung: Warum erscheint der Mond am Horizont größer?

Der Mond wirkt besonders groß, wenn er bei Mondaufgang oder Monduntergang knapp über dem Horizont steht. Warum ist das so?

Full moon on the horizon at the end of a dock.

Vollmond in Myrtle Beach, S. Carolina,USA.

Vollmond in Myrtle Beach, South Carolina, USA. Die Mondtäuschung lässt den Vollmond in Horizontnähe größer wirken.

©iStockphoto.com/LCBallard

Aufgehender Mond ist kleiner!

Es ist ein beliebtes Motiv bei Mondfotografen, Sternguckern und Romantikern: Wenn sich die fahle, gelb-orange Scheibe des Vollmondes langsam über den Horizont schiebt, wirkt der Erdtrabant besonders groß und spektakulär. Gerade für Supermond-Fans sind Mondaufgang und Monduntergang die besten Zeitpunkte, um den ungewöhnlich nahen Himmelskörper zu bewundern.

Es mag deshalb überraschen, dass der Mond bei Aufgang und Untergang überhaupt nicht größer erscheint. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Er ist dann etwa 6400 Kilometer weiter von uns entfernt, als wenn er im Zenit steht. Mit der Gesamtentfernung zwischen Erde und Mond verrechnet, erscheint die Mondscheibe dann also sogar um etwa 1,5% kleiner.

Überzeugen Sie sich selbst

Sie können diese Angaben mit ganz einfachen Mitteln selbst überprüfen. Machen Sie zum Beispiel einfach ein Foto vom aufgehenden Mond. Warten Sie dann ein paar Stunden und machen Sie ein weiteres Foto, wenn der Mond hoch am Himmel steht – mit denselben Kameraeinstellungen, versteht sich. Vergleichen Sie dann die Größe des Mondes auf beiden Fotos. Sie werden sehen, dass der aufgehende Mond nicht größer ist.

Eine noch einfachere Methode: Rollen Sie ein Blatt Papier und schauen Sie hindurch auf den aufgehenden Mond. Passen Sie das Guckrohr so an, dass seine Größe möglichst exakt mit dem scheinbaren Ausmaß der Mondscheibe übereinstimmt und fixieren Sie es dann mit Klebeband. Schauen Sie nach ein paar Stunden nochmals auf den Mond – die Mondscheibe sollte noch immer genau in Ihr Guckrohr passen.

Optische Täuschung

Warum also wirkt die Mondscheibe bei Mondaufgang und Monduntergang größer – auch wenn wir wissen, dass sie sogar etwas kleiner ist? Nun, selbst die Wissenschaft hat noch keine abschließende Erklärung für das Phänomen geliefert.

Einig ist man sich nur darüber, dass es sich um eine optische Täuschung handelt. Denn die oft gehörte Erklärung, dass die Erdatmosphäre den Mond gewissermaßen aufbläht – dass er also am Horizont tatsächlich größer erscheint – wird ja schon durch die obigen Experimente entkräftet.

Im Folgenden präsentieren wir die wichtigsten Theorien zur Erklärung der Mondtäuschung.

Der flache Himmel

Die Theorie des abgeflachten Firmaments fußt auf unserer Wahrnehmung des Himmels. Obwohl wir wissen, dass die Erde annähernd kugelförmig ist, nimmt unser Gehirn das Himmelsgewölbe nicht entsprechend als Halbkugel wahr, sondern als deutlich abgeflachte Kuppel. Schauen Sie bei Gelegenheit einfach mal in den blauen Himmel: Der Bereich über Ihnen wirkt dann annähernd wie eine blaue Fläche, nur am Horizont scheint der Himmel dann recht jäh in Richtung Erde abzukippen.

Dies bewirkt, dass uns Objekte am Himmel direkt über uns näher vorkommen. Unser Gehirn rechnet also damit, dass uns der Mond im Zenit näher kommt, als dies tatsächlich der Fall ist. Es errechnet daher aus der Größe der Mondscheibe, wie wir sie sehen, eine eher geringe tatsächliche Größe des Erdtrabanten.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn der Mond am Horizont steht. Durch die angenommene abgeflachte Form des Himmels erscheint uns der Mond weiter weg zu sein – und unser Gehirn unterstellt dem Erdtrabanten somit ein größeres tatsächliches Ausmaß.

Die Ponzo-Illusion

Illustration
Die Ponzo-Illusion.
Die Ponzo-Illusion.

Gemäß der Ponzo-Illusion erscheint uns der horizontnahe Mond deshalb größer, weil unser Gehirn ihn unwillkürlich mit der Größe irdischer Objekte – zum Beispiel Berge, Häuser oder Bäume – vergleicht. Die Erklärung basiert auf einem Konzept des italienischen Psychologen Mario Ponzo, wonach wir die Größe eines Objekts anhand eines Größenvergleichs mit umliegenden Objekten wahrnehmen.

Die Himmels-Illusion

Der muslimische Gelehrte Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham, auch Alhazen genannt, postulierte bereits in der Antike eine mit den beiden obigen Erklärungen verwandte Theorie. Danach bewirkt die Anwesenheit irdischer Objekte zwischen uns und dem Horizont, dass unser Gehirn den Abstand zum Horizont überschätzt. Ähnlich der Theorie des flachen Himmels unterstellt es dem Mond am Horizont daher ein größeres tatsächliches Ausmaß.

Themen: Mond, Astronomie, Fun Facts

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