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Hinduistischer Kalender – Panchanga

Der hinduistische Lunisolarkalender, auch Panchanga genannt, wird unter anderem für die Berechnung hinduistischer Feiertage und Feste verwendet. Es gibt viele regionale Varianten.

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Holi, das hinduistische Farbenfest

Holi-Fest in Vrindavan, Indien. Der Frühlings- und Farbenfest ist einer der Feiertage, deren Datum mithilfe des hinduistischen Kalenders bestimmt wird.

©bigstockphoto.com/mazzzur

Multidimensionaler Kalender

Eine der herausragenden Eigenschaften des hinduistischen Kalenders ist seine Vielseitigkeit. Während sich der westliche Kalender an nur zwei Zeiteinheiten orientiert – dem Sonnentag und dem Sonnenjahr – strukturiert der hinduistische Kalender den Zeitfluss nach Mondtagen, Sonnentagen, Mondmonaten, Sonnenmonaten, die Bewegungen von Sonne und Mond im Verhältnis zu Tierkreiszeichen und anderen astronomisch definierten Zeitspannen.

Zudem gibt es nicht nur einen hinduistischen Kalender. Je nach Land und Region kommen verschiedene Varianten zum Einsatz. Der indische Nationalkalender, auch Saka-Kalender genannt, ist eine davon.

Im Folgenden werden deswegen nur diejenigen Eigenschaften hinduistischer Zeitrechnung aufgeführt, die in allen oder den meisten Varianten vorkommen.

Zwölf Mondmonate...

Monate im hinduistischen Kalender
MondmonateSonnenmonate (bürgerlich)
ChaitraMīna
VaisakhaMeṣa
JyeshthaVṛṣabha
AshadhaMithuna
ShraavanaKarkaṭa
BhadraSiṃha
AshvinKanyā
KartikTulā
AgahanaVṛścika
PaushaDhanu
MaghaMakara
PhalgunaKumbha

Der hinduistische Kalender ist lunisolar – er orientiert sich also sowohl an den scheinbaren Bewegungen des Mondes und denen der Sonne. In erster Linie liegt der Zeitrechnung die Länge eines synodischen Mondmonats zugrunde. Jeder der zwölf hinduistischen Mondmonate umfasst also die Zeitspanne, in welcher der Mond die Erde im Verhältnis zur Sonne einmal komplett umkreist.

Jeder Mondmonat besteht aus 30 Mondtagen, welche in zwei Gruppen von je 15 Tagen unterteilt sind: eine “helle” Monatshälfte bei zunehmendem Mond und eine “dunkle” Monatshälfte bei abnehmendem Mond.

Während der Monat in den meisten Gegenden Nordindiens mit dem Vollmond beginnt, fällt der Monatsbeginn in Südindien mit dem Neumond zusammen.

...und zwölf Sonnenmonate

Gleichzeitig ist der hinduistische Kalender in Sonnenmonate unterteilt. Dies sind die Zeitspannen, in denen die Sonne aus irdischer Perspektive im Jahresverlauf bestimmte Sternbilder passiert.

Während die Mondmonate gemeinhin für die Berechnung der Daten religiöser Feste und Feiertage verwendet werden, orientiert sich die bürgerliche Zeitrechnung in erster Linie an den Sonnenmonaten. Deswegen werden diese auch als bürgerliche Monate bezeichnet.

Wann ist das hinduistische Neujahr?

In den meisten Varianten des Kalenders beginnt das neue Jahr zum Neumond, bevor die Sonne in das Sternbild Widder (Meṣa) tritt. Dies fällt in etwa mit der Tagundnachtgleiche im März zusammen, also der Frühlings-Tagundnachtgleiche der Nordhalbkugel der Erde.

Hinzugefügte und übersprungene Schaltmonate

Da zwölf Mondmonate durchschnittlich nur 354,367 Tage ergeben, wird etwa alle drei Jahre ein Schaltmonat namens Adhik Maas oder Purushottam Maas in die Zeitrechnung eingefügt. So wird das hinduistische Kalenderjahr mit der Länge des siderischen Jahres abgeglichen – also der Zeitspanne, in der die Erde die Sonne im Verhältnis zu fernen Fixsternen einmal umrundet. Ein durchschnittliches siderisches Jahr dauert etwa 365,256 Tage.

Nach den Regeln der hinduistischen Zeitrechnung wird dann ein Schaltmonat eingefügt, wenn ein neuer Mondmonat beginnt, bevor die Sonne in ein neues Tierkreiszeichen tritt.

In seltenen Fällen wird jedoch auch ein Monat übersprungen – dann nämlich, wenn die Sonne während eines Mondmonats ein Tierkreiszeichen komplett durchquert. Um sicherzustellen, dass jedes Jahr 12 oder 13 Monate aufweist, wird jedoch in Jahren mit einem ausgeschalteten Monat ein anderer Monat wiederholt.

Mondtage und Sonnentage

Ein ähnlicher Mechanismus soll sicherstellen, dass Mondtage und Sonnentage auf Dauer miteinander übereinstimmen. Der hinduistische Kalender definiert einen Mondtag als die Zeitspanne, in welcher sich der Mond, von der Erde aus gesehen, 12° im Verhältnis zur Sonne fortbewegt – ein Dreißigstel der 360°, die der Erdtrabant während eines synodischen Mondmonats am Himmel zurücklegt. Ein Sonnentag beginnt indes immer mit dem Sonnenaufgang.

Wenn ein Mondtag im Verlauf eines Sonnentages beginnt und endet, wird ein Kalendertag übersprungen. In diesen Fällen springt das offizielle Datum also zum Beispiel vom 5. auf den 7. eines Monats.

Geht jedoch die Sonne während desselben Mondtages zweimal auf, wird ein Kalendertag eingefügt. Dann wird zwei aufeinanderfolgenden Tagen dieselbe Nummer zugewiesen, auf den 5. folgt also nochmals der 5. des Monats.

Nakshatra, Yoga und Karaṇa

Der hinduistische Kalender liefert zudem Informationen zu weiteren astronomischen Zeitgrößen:

  • Nakshatra: Abschnitte der Umlaufbahn des Mondes um die Erde mit einer Länge von jeweils 13° 20′. Die Nakshatra werden auch Mondhäuser genannt und entstammen der hinduistischen Astrologie.
  • Yoga: Teile der kombinierten scheinbaren Bewegungen von Sonne und Mond, ebenfalls mit einer Länge von je 13° 20′. Jedes Yoga wird mit bestimmten menschlichen Eigenschaften, Göttern oder mythologischen Figuren assoziiert, und jeder Sonnentag wird mit dem Yoga assoziiert, das bei Sonnenaufgang erreicht wird.
  • Karaṇa: Ein halber Mondtag. Wie Yogas werden die Karanas mit verschiedenen Eigenschaften assoziiert, und jeder Sonnentag steht im Zeichen des Karanas bei Sonnenaufgang.

Hinduistische Feiertage und Feste

Die Daten vieler, jedoch nicht aller, hinduistischer Feiertage und Feste werden anhand des hinduistischen Kalenders berechnet, darunter

In den meisten Fällen fallen die Feste entweder mit dem Neumond oder mit dem Vollmond zusammen. Manchmal werden sie auch am Tag nach der jeweiligen Mondphase gefeiert.

Obwohl die Feiertage normalerweise in allen Regionen am selben Tag stattfinden, kann das Kalenderdatum variieren – je nachdem, welche Variante des hinduistischen Kalenders verwendet wird.

Kalender für Indien (gregorianischer Kalender)

Themen: Geschichte, Kalender, Zeitrechnung

Der Hindu-Kalender
VerwendungIndien, Nepal, Bali; Hindus weltweit
ArtLunisolarer Kalender
Anzahl TageGemeinjahr:
354 oder 355
Schaltjahr:
383, 384 oder 385
Anzahl Monate

Gemeinjahr: 12
Schaltjahr: 13

KorrekturmechanismusMonate und Tage werden hinzugefügt oder übersprungen
Jahr 1Variiert. Am weitesten verbreitet:
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Kalendertypen

  1. Gregorianischer Kalender (heutiger Kalender)
  2. Die christliche Zeitrechnung
  3. Julianischer Kalender
  4. Römischer Kalender
  5. Orthodoxer Kalender
  6. Chinesischer Kalender
  7. Jüdischer Kalender
  8. Islamischer Kalender
  9. Hinduistischer Kalender
  10. Persischer Kalender
  11. Kalender vs Sonnenjahr: Wie genau sind Kalender?
  12. Welche Jahre sind Schaltjahre?

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Schaltjahre, Schaltmonate und Schalttage

  1. Schaltjahre im westlichen Kalender
  2. Geburtstag am 29. Februar – wann feiern?
  3. Schaltjahre im islamischen Kalender
  4. Schaltjahre im jüdischen Kalender
  5. Schaltjahre im persischen Kalender

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